Montag, 20. April 2015

5.-20. April: Ich gehe weiter

Wer meinen letzten Post mitbekommen hat, weiß dass ich nicht gerade begeistert bin von Appalachian Trail. Ich habe den Artikel mittlerweile wieder gelöscht, sonst behalten Sie mich noch hier in den USA und das ist so ziemlich das letzte was ich möchte.
Die "Great Smoky Mountains" habe ich ja schon mal umgetauft in "Little Foggy Hills", wobei mir die meisten Amerikaner sogar zustimmen. Kaum aus den Smokies raus gerate ich in ein Gewitter, rutsche auf einem nassen Stein aus und schlitze mir die Hand regelrecht auf. Meine Stimmung ist dementsprechend am Boden, wollte ich doch weiter kommen. Ich beschliesse dann ins Hostel namens "Standing Bear Farm" zu gehen. Es gibt Leute denen gefällt der Ort, vorallem Kiffer, Obdachlose, Althippies u.ä. Für mich ist es einfach nur Abzocke.
Dort treffe ich auf "Proudfoot" und "Samson the Bear", mit denen ich dann länger unterwegs war und die mir mit ihrer Art zeigen, dass es auch noch normal denkende Amerikaner gibt und nicht nur kriegsbesessene, arbeitslose Ex-Soldaten und Cliche-Texaner.
Bis Hot Springs überlege ich ernsthaft dem Trail abzubrechen. Ich bin zu enttäuscht von der öden Landschaft. Ich habe bereits diverse Alternativen abgeklärt und müsste in Hot Springs eigentlich nur noch aussteigen. Beinahe hätte ich es getan. Im letzten Moment entschliesse ich mich doch nochmal 5-6 Tage bis zur nächsten Ortschaft weiterzugehen und dann zu entscheiden. Die Landschaft ändert sich, ich beobachte die Natur mit etwas offeneren Augen und es beginnt mir zu gefallen.
So gehe ich auch von Erwin nochmal weiter bis Damascus. Diese Etappe wurde dann allerdings härter als von Profil her gedacht. Sehr schlechtes Wetter zog auf, so dass ich einen Tag früher als geplant in einem Shelter vor den Regen Schutz Suche. Auf den Roan Mountain hoch, laufe ich dann durch einen Bach hoch. Es schüttet den ganzen Tag. Ich laufe in meinen Unterhosen los, darüber dem Regen-Kilt. Irgendwann ist die Unterhose trotzdem nass und es beginnt unangenehm zu reiben - der Wolf... Ich ziehe dann die Unterhose auch noch aus und bin dann wie ein richtiger Schotte unterwegs. Sehr abgenehm, wenns nicht auch noch verdammt kalt wäre...
Auf der anderen Seite runter das gleiche Spiel, wandern durch ein Bachbett. Irgendwie kommen auch an diesem Tag mehr als 20 Meilen zusammen, immerhin mehr als 32 Kilometer. In einer Scheune finden wir Unterschlupf. Doch der Wind pfeift durch alle Ritzen und es ist alles nass. Okay, in dem Moment nicht sehr angemeldet, aber wir reden heute noch von diesem Tag und nicht von den schönen, sonnigen Tagen...
Mittlerweile bin ich gestern Abend, an 19. April in Damascus angekommen. Wieder bei Regenwetter, 25 Meilen bzw. 40 Kilometer lang. Nach einem Monat bin ich also bei Meile 470 angekommen. Immerhin schon mal 750 Kilometer gelaufen. Jetzt steht der Bundesstaat Virginia mit knapp 500 Meilen bevor. Hoffe ich schaffe auch dies und kann mich jedem Tag aufs neue motivieren. Es ist eine reine Kopfsache, kein Abenteuer, keine körperlich harte Wanderung, keine schöne Wanderung. Wenn jemand dies sucht, dann ist das der falsche Weg. Ich habe etwas anderes erwartet und musste meine Ansprüche jetzt ändern.




















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Kommentare:

  1. Super - freut mich, dass Du auf dem Trail geblieben bist - bin gespannt auf Deine weiteren Blogs!

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  2. Hey
    Cool das du weiter machst. In Virginia erwarten dich viele tolle Aussichten, Ridgelines ohne ende. Aber warte ab bis du MC Afee Knob beim Sonnenaufgang/ Untergang erlebst! Ich hab gestern dort gepennnt und es großartig!!! Hoffe das Wetter bessert sich für dich.
    Alles gute, Mozart

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